Küchenarbeitsplatte verbinden

Fragen vor Planung und Baubeginn
Fabswabs
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Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Fabswabs » Di 30. Mai 2023, 10:43

Hallo! Ich hab wieder ein Projekt, bei dem ich zur Sicherheit lieber nachfrage :D

Und zwar baue ich momentan munter an meiner neuen Küche. Die Arbeitsplatte ist 40mm stabverleimte Eiche .
Meine Küche ist im U angeordnet, ich muss also zwei Mal um die Ecke. Das möchte ich mit jeweils zwei Arbeitsplattenverbindern + Lamellos/Dominos bewerkstelligen, die Oberfläche der Arbeitsplatte wird anschließend mit einem entsprechenden Arbeitsplatten-Öl behandelt. Die Ecken stehen 90° aufeinander, auf Gehrung war aufgrund der Größe der Platten leider nicht möglich.

Meine Frage bezieht sich auf die Behandlung des Holz im Bereich der Verbindung gegen eindringende Feuchtigkeit. Ich habe hier schon alles mögliche gelesen, von wasserfestem Leim/Silikon auf die Stirnholzfläche bis zu Übergangselementen aus Aluminium, aber das bezieht sich meist nicht auf Massivholz. Reicht es, wenn ich die aneinanderstoßenden Hölzer mit ausreichend Öl behandle? Verleimen würde ich die Platten ja nicht, das würde vermutlich wieder aufreißen.

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Dozent » Do 1. Jun 2023, 00:44

Ich würde die Plattenteile mit Silikon oder, vermutlich noch besser, einem SM-Polymer-Dichtstoff/Kleber verbinden.

https://www.wecobis.de/bauproduktgruppe ... toffe.html

Der ist dicht, aber flexibel und sollte so auch mit arbeitendem Holz dicht bleiben.

Um das mit dem „Arbeiten“ mal einzuordnen: Das relative Schwindmaß (pro Prozentpunkt Änderung in der Holzfeuchte) von Eiche ist etwa 0,18% radial und 0,34% tangential; bei Leimholz setzt man den Mittelwert an: 0,26%

Die Holzausgleichsfeuchte schwankt in unseren Breiten im Inneren zwischen 8,3% und 11,8%. Die maximale Differenz in der Holzfeuchte wäre also 3,5%.

3,5 * 0,26% = 0,91%, was bei einer 800mm breiten Arbeitsplatte bedeutet, dass sie um bis zu 6 mm in der Breite „arbeitet“!

Ganz so viel wird es in der Praxis vermutlich nicht sein, aber so 3–4 mm sollte man schon berücksichtigen.

Grüße, Daniel

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Fabswabs » Fr 2. Jun 2023, 09:37

Danke für die Antwort, ich werde denke ich wirklich mit Silikon oder etwas ähnlichem arbeiten. Ich habe nur leichte Bedenken, dass man die Fuge gut sehen wird, ich habe leider (abgesehen von den Eckverbindern) keine gute Möglichkeit, zusätzlichen Druck auf die Klebefläche auszuüben.

Ich hatte mir auch überlegt, die Platten jeweils ganz vorne mit Dominos zu fixieren und nach hinten hin ein paar mm Platz zu lassen, das sollte dem Holz genügend Platz zum arbeiten geben und sicherstellen, dass die Kantenfräsung schön bleibt.

Ich hab auch gleich noch eine Frage, weil mir gestern aufgefallen ist, dass sich die Platten ganz leicht schüsseln (etwa 1mm auf 800mm). Ich überlege deswegen, mir die Arbeit anzutun und Gratleisten einzufräsen, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sich das wirklich auszahlt...

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Dozent » Sa 3. Jun 2023, 00:55

SMP-Kleber brauchen keinen Pressdruck. Es geht ja auch mehr um das Dichten als um eine belastbare Klebung.

Eventuell würde gegen den Fugeneffekt auch eine kurze Überblattung (über eine Stabholzbreite) helfen. Müsste natürlich recht präzise ausgefräst werden.

Gratleisten halte ich für überflüssig. 1mm ist auf der Fläche nichts und für gewöhnlich schraubt man die Platten ja auch von unten an die Unterschränke.

Wenn die Platte etwas übersteht, würde ich an der Unterseite noch eine Tropfkante einfräsen. Falls man mal was verschüttet, tropft es von da ab auf den Boden anstatt bis in die Unterschränke zu laufen.

Ich würde meine Eichenplatte übrigens nicht noch einmal ölen, sondern stattdessen lackieren (und mich von Volker bezüglich des Lacks beraten lassen). Eiche hat einfach den Nachteil, durch die Gerbsäure mit Metallen, insbesondere Eisen zu reagieren. Metallische Gegenstände, wie etwa eine Konservendose, hinterlassen bei längerem Stehen schwarze Spuren, die nur durch Schleifen wieder zu entfernen sind:

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Die Platte ist etwa 8 Jahre in Betrieb. An der Spüle habe ich Metallstaub im Verdacht, der bei der Verwendung von Stahlschwämmen oder beim Schneiden und Hacken auf dem Schneidbrett daneben entsteht.

Grundsätzlich sollte einem bei einer Vollholzplatte klar sein, dass sie im Laufe der Jahre eine gewisse Patina ansetzt.

Grüße,

Daniel
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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Mandalo » So 4. Jun 2023, 07:55

Dozent hat geschrieben:....Ich würde meine Eichenplatte übrigens nicht noch einmal ölen, sondern stattdessen lackieren (und mich von Volker bezüglich des Lacks beraten lassen). Eiche hat einfach den Nachteil, durch die Gerbsäure mit Metallen, insbesondere Eisen zu reagieren. Metallische Gegenstände, wie etwa eine Konservendose, hinterlassen bei längerem Stehen schwarze Spuren, die nur durch Schleifen wieder zu entfernen sind...
...Grüße, Daniel

Zu diesem Thema auch hier: viewtopic.php?f=42&t=1670
Mit nichts ist man großzügiger als mit gutem Rat!
Es grüßt euch Dieter

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Dozent » So 4. Jun 2023, 19:20

Danke Dieter!

Konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, dass ich das schon mal so beschrieben hatte... :o
Ja, wir werden nicht jünger :mrgreen:

Daniel

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon oldtimer » So 4. Jun 2023, 19:58

Dozent hat geschrieben:Ja, wir werden nicht jünger :mrgreen:


So ist es! Selbst der Hild ist nun kein jugendlicher Held mehr.

Ich habe aktuell Eiche für ein Regal liegen, das wird zwar gebeizt usw., aber zum Schluß lackiert.

Für die Verbindung würde ich MS-Polymer wie Ponal 300 verwenden, eventuell in kristall, die Verbindung würde ich mit Dominos oder Lamellos ausrichten.

Und Patina sieht so aus

20230401_181715.jpg
kürzlich in Denia gesehen.


Gruß
Volker
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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Fabswabs » So 4. Jun 2023, 20:19

Dozent hat geschrieben:Wenn die Platte etwas übersteht, würde ich an der Unterseite noch eine Tropfkante einfräsen. Falls man mal was verschüttet, tropft es von da ab auf den Boden anstatt bis in die Unterschränke zu laufen.


Ah, daran hatte ich nicht gedacht, das werd ich auf jeden Fall machen. Danke!

Dozent hat geschrieben:Ich würde meine Eichenplatte übrigens nicht noch einmal ölen, sondern stattdessen lackieren (und mich von Volker bezüglich des Lacks beraten lassen). Eiche hat einfach den Nachteil, durch die Gerbsäure mit Metallen, insbesondere Eisen zu reagieren. Metallische Gegenstände, wie etwa eine Konservendose, hinterlassen bei längerem Stehen schwarze Spuren, die nur durch Schleifen wieder zu entfernen sind:


Ja ich weiß und davor hab ich auch etwas Angst. Ich werde es dennoch mit Ölen probieren, das gefällt meiner Frau (und mir ehrlichgesagt auch) einfach viel besser.

Dozent hat geschrieben:Grundsätzlich sollte einem bei einer Vollholzplatte klar sein, dass sie im Laufe der Jahre eine gewisse Patina ansetzt.


Natürlich, hat aber mMn auch Charme. Vor allem Eiche altert, finde ich, sehr schön.

Mandalo hat geschrieben:Zu diesem Thema auch hier: viewtopic.php?f=42&t=1670


Sehr interessantes Thema, danke dir!

oldtimer hat geschrieben:Für die Verbindung würde ich MS-Polymer wie Ponal 300 verwenden, eventuell in kristall, die Verbindung würde ich mit Dominos oder Lamellos ausrichten.


Ich werds wohl mit Bau-Silikon versuchen, zum Ausrichten werde ich vorne ein oder zwei Dominos setzen und hinten Lamellos. Ich hab leider nur sehr wenig Spielraum, da die Platten von allen Seiten eingebaut sind, werde daher die Dominos sogar kürzen müssen.

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon oldtimer » So 4. Jun 2023, 22:28

Lack haftet nicht auf Silikon dauerhaft.

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Re: Küchenarbeitsplatte verbinden

Beitragvon Dozent » Mo 5. Jun 2023, 20:34

Und Silikon haftet auch nicht auf Silikon, soll heißen, man kann auch nicht mal „nachflicken“.

Außerdem wird Silikon beim Schleifen unschön.

Du wirst eine Fuge haben, das lässt sich gar nicht 100-prozentig vermeiden. Damit werden all diese Eigenschaften irgendwann relevant.

Deshalb nun zum 3. Mal der Hinweis: Nimm einen MSP-Kleber! Der hat all diese Nachteile nicht, ist ebenso dehnbar wie Silikon, lässt sich sehr ähnlich verarbeiten und es gibt ihn auch in transparent.

Grüße,

Daniel


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