Breattle hat geschrieben: Fr 30. Okt 2026, 11:07
Ich nehme mit Bestürzung zur Kenntnis, daß ich 60 Jahre was falsch gemacht habe
Bei der Waldarbeit war immer die Möglichkeit, bei Bodenkontakt händisch und ohne Fächerscheibe (die ich auch nicht verachte) die Schneide vom Schöpser und der Axt wieder instandzusetzen. Bei 60° HRC?
Nein, du hast gar nichts falsch gemacht. Wenn sich dein Schöpser mit einer Feile schärfen läßt, dann hast du entweder sehr gute Feilen, die noch richtig scharf sind, oder dein Schöpser ist aus einem Stahl mit niedriger Härte, die schneller stumpf werden und deswegen öfter nachgeschärft werden müssen.
HRC ist eine Härteangabe. Um die Härte festzustellen, wird eine harte Stahlkugel mit einer definierten Größe und Kraft in den Werkstoff gedrückt. Je geringer die Stahlkugel eindringt, desto höher ist die Härte(angabe) in HRC.
Wälzlagerstahl liegt so bei 62 bis 63 HRC
Damit du etwas damit anfangen kannst hier ein Beispiel: Streifenhobelmesser HSS Co haben eine Härte so um die 63 bis vielleicht 65 HRC. Versuch die mal mit einer Feile zu schärfen. Da wirst du schnell feststellen, dass das nur sehr schlecht bis gar nicht geht, je nachdem wie hart die Feile ist.
Wenn ich über Feilen spreche, dann meine ich keine Diamantfeilen, sondern ganz klassische Metallfeilen (Hieb 1 bis 3).
Stemmeisen von Kirschen oder MHG liegen so um die 61 bis 62 HRC vielleicht ein bisschen mehr.
Die Ochsenkopf Rindenschäler sind extrem hart. Mit der Feile lassen sich die Eisen nicht bearbeiten. Ich habs versucht, keine Chance. Das muß aber nicht heißen, dass das für andere Schäleisen genauso gilt. Die alten Beile von meiner Oma sind auch sehr weich. Sie bekommen viel häufiger Scharten und man muß die Beile öfter Nachschleifen, arbeiten kann man damit auch.
Wenn das Auge vom Schäleisen angeschweißt ist, dann kann man davon ausgehen, dass der Stahl keinen hohen Kohlenstoffgehalt hat und deswegen nicht ganz so hart ist. Alle Stähle, die eine sehr hohe Härte haben, kann man unter normalen Bedingungen nicht schweißen oder muß sie weichglühen und nach dem Schweißen sehr langsam abkühlen. Da die Naht sofort aufhärtet und reißt, wenn die Schweißnaht zu schnell abkühlt. Deswegen sind auch gute Schöpser immer aus einem Stück geschmiedet. Gleiches gilt auf für Zugmesser.
Zum Saubermachen kann ich dir eine feine Zopfbürste in der Bohrmaschine empfehlen. Die entfernt den Rost, aber der Zunder bleibt. Ein Scotchschwamm geht auch. Den hat deine Frau mit Sicherheit in der Küche.
Zum Konservieren einfach Öl verwenden, möglichst ohne Säure. Motorenöl geht gut. Hartwachsöle funktionieren auch. Es muß nicht Balistol sein, aber das funktioniert sehr gut. WD-40 würde ich nicht nehmen, aber zur Not geht das auch. Ist besser als nichts.
Zu Feilen:
Ja da gibt es große Unterschiede, genau wie auch beim Werkzeug auch. Es gibt billige oder teuere. Auch der Umgang mit Feilen macht einen großen Unterschied, je nachdem wie hoch die gehärtet sind. Ich nutze sehr gerne Feilen von Pferd. Wie hart die sind, keine Ahnung. Aber die Rundfeilen für die Motorsäge sind gut und halten deutlich länger als noname Feilen.
67 HRC für Feilen sind schon sehr hoch gehärtet. Wenn du zwei Feilen mit der Härte einfach nur so aufeinander in deinen Werkzeugkasten legst kannst du damit rechnen, dass die nicht lang scharf bleiben. 67 HRC ist schon glashart. Die Feilen sind sehr spröde.
Wenn dir die Feile auf einen Steinboden fällt, dann kann es sein, dass sie wie Glas bricht. Normale Feilen liegen so um die 65 HRC. Deswegen kann man auch die HSS- Messer nicht mehr damit feilen.