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Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 13:07
von Baumbart
Hallo Claus,

wenn Weißleim für die Verarbeitung nicht in Frage kommt, wie ist es mit Naturleim, würde das in Verbindung mit dem Schleifstaub nicht funktionieren?

Wenn ich mit Knochenleim arbeite, nehme ich zum Ansetzen nur destilliertes Wasser, somit kann der auch ohne Kühlung länger stehen bleiben ohne daß er anfängt zu schimmeln.

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 13:21
von Claus P
Hallo Christian,

Weißleim kommt zum Verfüllen der Wurmlöcher nicht infrage, da der mit der Gerbsäure reagiert und schwarz wird. Das hat keine Auswirkung auf die Festigkeit und ist nur eine optische Beeinträchtigung. Interessant ist, dass am Anfang der Brei wirklich einen Farbton von Holz annimmt, so wie gewünscht. Die Scharzfärbung tritt während des Trocknungsprozesses auf. Ich glaube ich habe dazu auch schon Bilder eingestellt. Wenn jemand Interesse hat, kann ich die Bilder gerne nochmals einstellen. Bitte signalisieren, falls Bedarf besteht.

Verleimen kann man Esche sehrwohl mit Weißleim. Hab ich schon öfter gemacht und funktioniert prima und hält auch, ohne dass die Optik darunter leidet.

Ob andere Naturleime mit Schleifstaub ebenso reagieren, kann ich nicht sagen. Ich vermute aber schon. Wenn du willst, kann ich dir Schleifstaub von Esche schicken. Ich hab noch einen ganzen Papiersack rumstehen, für den ich keine Verwendung habe. Probiers aus, dann weißt du ob es funktioniert oder nicht.

Übrigens, es gibt dazu von Heiko Rech auch ein Video auf YT, wo er genau dieselben Probleme beschreibt, die ich auch als Erfahrung gemacht habe: Schwund und mehrmaliges Füllen erforderlich und Optik.
Insofern ist die Erkenntnis nicht neu.

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 14:24
von pumuckel
Da müsste aber eigentlich noch Eisen dazukommen, damit sich Esche oder andere gerbsäurehaltigen Hölzer schwarz färben. Wasser und Gerbsäure alleine reicht nicht.
Ich kann mir auch nicht so richtig vorstellen, dass hier schon Lohflecken entstehen.
Gibt es irgendeine Erklärung, warum es zu den Verfärbungen kommt?
Gruß Michael

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 14:48
von Sebastian
Claus P hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 12:43 Hallo Sebastian und Klaus,

ich zitiere euch jetzt nicht, da ich davon ausgehe, dass ihr beiden sowieso verfolgt was ich schreibe.

Erst mal freut es mich, dass euch meine Arbeit gefällt. Volker (oldtimer) hat mich auf einen sehr interessanten Ansatz gebracht. Vielen Dank dafür. Dieser ist, die Wurmlöcher mit Schleifstaub zu füllen. Allerdings braucht es dafür ein Bindemittel. Holzleim ist dafür die schlechteste Wahl:

1. Weißleim schwindet sehr stark und man muß mehrfach nachfüllen, bis tatsächlich die Löcher aufgefüllt sind. Ist mühselig, würde aber noch gehen.
2. Bei Weißleim in Verbindung mit Esche reagiert die Gerbsäure. Das Ergebnis ist, dass die Wurmlöcher schwarz werden. Angleichung des Farbtons ist nicht. Das hab ich bei meinem kleinen Schreibtisch gesehen. Dann kann ich gleich bei schwarzen Epoxy oder PU(R)- Spachtel schwarz bleiben. Beides ist einfacher zu verarbeiten.

Volkers Idee war: Nimm Mischlack... Nachdem ich keine Idee habe, welcher Mischlack geeignet ist, hat er mir den Tipp für ein Rosner- Produkt gegeben. Da hat es bei mir Klick gemacht. Das ist das Produkt:

...

Damit kann man Schleifstaub binden und nachdem der Fugenkitt nicht auf Wasserbasis die Bindung eingeht, wird es auch keine Verfärbung geben. Mein Fußbodenleger hat bei unserer Parkettsanierung immer den Siegellack (kein Wasserlack) benutzt um einen Brei aus Schleifstaub und Lack anzumischen und so kleinere Fugen zu füllen. Der Fugenkitt macht nichts anderes. Könnte also klappen.

Ich probiere das einfach aus. Dann weiß ich es, ob es funktioniert oder nicht. Ganz einfach.
Ja: bei Lackfragen, Volker Fragen. Klingt nach einem guten Ansatz und ich bin auf die Ergebnisse gespannt. Dass Esche mit Weißleim reagiert lese ich zum ersten mal. Ich weiß dass Gerbsäuren ein "Problem" mit Eisen hat und da Farbänderungen (Beizen) auftreten. Kann es sein, dass dies daher kommt, dass im Schleifstaub mineralische Reste drin sind?
Claus P hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 12:43
@Sebastian

Egal ob ich die Würmer mit Epoxy fülle oder nicht, am Ende kommt noch Hartwachsöl drauf und damit ist die Platte nicht mehr kompostierbar. Im Prinzip ist alles was nicht biologisch abbaubar ist, Sondermüll. Insofern habe ich mich damit abgefunden, dass die Platte Sondermüll ist. Aber sind wir mal ehrlich. Es gibt fast keine Möbel mehr, die man nach dem Gebrauch mit der Axt zerkleinern und einheizen kann - es sei denn es ist ein Möbel vor der industriellen Zeit, bei der ausschließlich Naturprodukte verarbeitet wurden. Das Wegwerfmöbel von den meisten Billigmöbeldiscountern sind alle mehr als bedenklich.
Insofern habe ich da auch keine Bauchschmerzen damit, auch wenn es vielleicht besser geht.

Am Ende bleibt alles ein Kompromiss.
Summa Summarum stimme ich dir zu. Wobei das Holz eines Möbelstück welches mit Hartwachsöl behandelt wurde noch eher neu Nutzbar ist als ein Waterfall-Table der zu einem großen Teil aus Epoxy besteht. Ersteres fällt auch in die Abfall-Kategorie A II während Epoxy auch in A III fallen kann.

Spannend in dem Zusammenhang, Marios flammbiertes Holz (link) wäre formal Kategorie A IV weil Brandholz als schwer belastet gilt. Auch wenn das schwer zu verstehen ist, aus chemischer Sicht stimmt es tatsächlich. :shock:

Beste Grüße
Sebastian

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 15:10
von pumuckel
Amüsant finde ich in dem Zusammenhang immer, dass Holz mit Bienenwachs A1 zugeordnet wird, mit Ölen behandeltes A2. So richtig nachvollziehen konnte ich das nie.
Gruß Michael

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 15:52
von pumuckel
Sebastian hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 14:48 Kann es sein, dass dies daher kommt, dass im Schleifstaub mineralischen Reste drin sind
Schmirgelpapier oder Stahlwolle könnten Reste im Schleifstaub hinterlassen, die zu den Verfärbungen führen. Das wäre evtl eine Erklärung.
Gruß Michael

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 15:59
von Claus P
pumuckel hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 14:24 Gibt es irgendeine Erklärung, warum es zu den Verfärbungen kommt?
Hallo Michel,

nein, eine Erklärung dafür habe ich nicht. Ich kann nur sagen, das ich das Phänomen nur bei Eiche und Esche kenne. Hier mal noch die Bilder dazu.
IMG_2970.JPG
IMG_2971.JPG
IMG_2972.JPG
Die drei Bilder zeigen, den Brei aus Schleifstaub und D3 Weißleim. Die Flecken auf der Tischplatte sind gespachtelt. Dieselbe Prozedur hab ich auch bei den Wurmlöchern gemacht. Gespachtelt habe ich mit einem Holzspatel und nicht mit Metall. Auch keine Stahlwolle oder sonstiger Kontakt mit Metall - abgesehen von Kontakt mit HSS- Hobelmesser. Aber wäre das ein Problem, dann hätte man generell ein Problem.
Insofern scheidet Metall als Reaktionspartner aus.

Hier sieht man die Wurmlöcher. Bitte Bild im Bereich der Baumkante herauszoomen. Dann sieht man die schwarzen Stellen, die sind sehr klein, darum fallen die nicht weiter auf.
IMG_3126.JPG
IMG_3127.JPG
IMG_3128.JPG
Der große Riss ist mit Epoxy gefüllt. Die Wurmlöcher mit Schleifstaub. Komischerweise ist die Verfärbung nur, wenn der Leim trocknet.
Sebastian hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 14:48 Auch wenn das schwer zu verstehen ist, aus chemischer Sicht stimmt es tatsächlich. :shock:
Hallo Sebastian,

manche Sachen muß man nicht verstehen. Das war schon im Studium so und so ist es im späteren Leben auch. Manche Dinge werden festgelegt und sind wie sie sind, obwohl man die Logik nicht versteht. Ich sag mir immer, es gibt schlauere Menschen als ich. Die werden schon wissen was sie tun.

Wobei das Thema mit den verkohlten Holz verstehe ich überhaupt nicht. Verkohltes Holz auf den Kompost werfen darf ich nicht. Einheizen wahrscheinlich auch nicht. Aber was ist mit der Holzkohle in meinem Ofen? Für mich ist das widersprüchlich. Aber egal.

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Mo 18. Mai 2026, 18:36
von pumuckel
Ominös :?:
Ich bin ratlos

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Di 19. Mai 2026, 09:02
von Sebastian
Claus P hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 15:59 Die drei Bilder zeigen, den Brei aus Schleifstaub und D3 Weißleim. Die Flecken auf der Tischplatte sind gespachtelt. Dieselbe Prozedur hab ich auch bei den Wurmlöchern gemacht. Gespachtelt habe ich mit einem Holzspatel und nicht mit Metall. Auch keine Stahlwolle oder sonstiger Kontakt mit Metall - abgesehen von Kontakt mit HSS- Hobelmesser. Aber wäre das ein Problem, dann hätte man generell ein Problem.
Insofern scheidet Metall als Reaktionspartner aus.

Hier sieht man die Wurmlöcher. Bitte Bild im Bereich der Baumkante herauszoomen. Dann sieht man die schwarzen Stellen, die sind sehr klein, darum fallen die nicht weiter auf.



Der große Riss ist mit Epoxy gefüllt. Die Wurmlöcher mit Schleifstaub. Komischerweise ist die Verfärbung nur, wenn der Leim trocknet.
Hallo Claus,

wenn ich in das Bild mit der gesammten Tischplatte hereinzoome ist die Qualität leider nicht mehr so gut um zu sehen wie die Wurmlöcher aussehen. Im Detailbild wird der Effekt aber deutlich. Da ist ja fast kein Unterschied zum Epoxy feststellbar.
Interessant ist allerdings, dass es erst beim Trocknen zu der Verfärbung kommt. Generell kenne ich das, dass ein Kitt aus Schleifstaub und Weißleim deutlich dunkler ausfällt als das Ursprungsholz. Der Effekt tritt auch bei Nadelhölzern wie Fichte oder Tanne auf. Meine Erklärung hierfür war immer, dass der Weißleim die Späne ja benetzt und daher die Optische Grenzfläche (Brechungsindices) anders ist als mit Luft. Also der gleiche Effekt warum die Straße bei Regen deutlich dunkler ist.
Claus P hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 15:59
Sebastian hat geschrieben: Mo 18. Mai 2026, 14:48 Auch wenn das schwer zu verstehen ist, aus chemischer Sicht stimmt es tatsächlich. :shock:
Hallo Sebastian,

manche Sachen muß man nicht verstehen. Das war schon im Studium so und so ist es im späteren Leben auch. Manche Dinge werden festgelegt und sind wie sie sind, obwohl man die Logik nicht versteht. Ich sag mir immer, es gibt schlauere Menschen als ich. Die werden schon wissen was sie tun.

Wobei das Thema mit den verkohlten Holz verstehe ich überhaupt nicht. Verkohltes Holz auf den Kompost werfen darf ich nicht. Einheizen wahrscheinlich auch nicht. Aber was ist mit der Holzkohle in meinem Ofen? Für mich ist das widersprüchlich. Aber egal.
Ich hab mal mit meiner persönlichen Immissionsschutzexpertin, meine Frau, über die Altholz-Kategorien gesprochen . Diese Regelungen sind nicht auf Klein-Klein ausgelegt, sondern sollen eine Handhabe für große Mengen Abfälle auf den Entsorgungshöfen dienen. Dem angelieferten, verkohlten Holz sieht der Mitarbeiter, welcher es zuordnen soll, nicht an ob dieses aus einer gezielten ansängung für das Oberflächendesign oder aus einem Zimmerbrand, in dem z.B. auch ein Sofa in Rauch aufging. Chemisch gesehen entstehen bei nicht vollständigen Verbrennungen alle möglichen Substanzen, unter anderem große Mengen krebserzeugender Stoffe wie polyzyklische Kohlenwasserstoffe, Benzol ect. (vgl. Zigarettenrauch). Diese Hölzer müssen, wie auch die mit Teeröl behandelten Bahnschwellen oder Leitungsmasten, nach Immisionsschutzrecht in besonders ausgerüsteten Anlagen verbrannt werden.
Was sich allerdings seit der Einführung der Altholzkategorien herauskristallisiert hat, dass meist A I bis AIII in einer Anlage verbrannt wird. Vermutlich rechnet es sich nicht für die drei Kategorien gesonderte Anlagen zu betreiben.

Holzkohle ist ein komplett anderes Thema. Aktuell gibt es wohl ein bisschen einen Hype wegen Bio-Kohle oder Pflanz-Kohle als Kohlenstoffsenke oder anders genannt CO2 Speicher. Aufgrund zahlloser Diskussionen mit meier Frau zu dem Thema, kann ich nur sagen, dass es Irre ist was da alles gemacht wird und aus welchen Gründen.

Beste Grüße
Sebastian

Re: Großer hochfahrbarer Schreibtisch mit abgehängtem Schubladenschrank

Verfasst: Di 19. Mai 2026, 09:12
von Sebastian
Nachtrag: Mir ist noch was zu dem Thema Weißleim eingefallen. Weißleim ist ja PVA, also Poly-Vinyl-Acetat. Dieses Polymer spaltet in Lösung geringe mengen Essigsäure ab. Was macht Esche und Eiche denn, wenn man Essig draufkippt?
Klassische Beizen sind ja Eisen mit Essig. Meine Hypothese wäre, wenn eine geringe Menge Eisen in dem Schleifstauf ist reicht es bei der riesigen Oberfläche des Schleifstaubs aus, dass ein kleiner Teil gebeizt wird. Zusammen mit dem "abdunkelungs Effekt" den der Leim mit Schleifstaub sowieso hat könnte es die stärkere Dunkelfärbung möglicherweise erklären.