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Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Fr 2. Jan 2026, 22:49
von Heike
Hallo zusammen,

hier möchte ich zeigen, wie wir in einer Mietwohnung einen Dielenboden überarbeitet haben. Mit „wir“ meine ich den dort wohnenden Mieter, der den Löwenteil an Arbeit übernommen hat, und mich. Das Haus wurde 1900 erbaut und beim Boden dürfte es sich um den Originalboden handeln. Er sah arg ramponiert aus:
1 - vorher.jpg
Die Fugen waren mehrere Millimeter breit und voller festem Dreck. An einigen Stellen gab es dicke Macken im Holz. Außerdem war eine Diele der Länge nach durchgebrochen. Die musste auf jeden Fall ersetzt werden. Nachdem wir sie ausgebaut hatten, stellte ich fest, dass sie am einen Ende noch ungefähr 22 mm dick war, am anderen aber deutlich dünner. Da ist wohl irgendwann jemand mit schwerem Gerät unsachgemäß vorgegangen. Deshalb wollte ich, um so wenig wie möglich abzutragen, nicht mit einer Walzenschleifmaschine auf den Boden losgehen. Stattdessen haben wir einen Bandschleifer verwendet. Es war klar, dass der Boden so nicht völlig plan werden würde, aber ich finde, das passt durchaus zu einem über 120 Jahre alten Haus.

Als erstes haben wir die defekte Diele herausgenommen. An den beiden Nachbardielen habe ich die Längskanten mit der ziemlich verhunzten Nut beziehungsweise Feder abgeschnitten. Bei der einen Nachbardiele habe ich eine Nut eingefräst, bei der anderen einen Falz:
2 - Nachbardielen.jpg
Ich habe auch ein paar Dielen liegen, die ich vor längerer Zeit bei anderen Räumen, die einen ganz neuer Boden erhalten hatten, ausgebaut hatte. Aus zwei von denen habe ich einen Ersatz gebastelt: Die eine bekam auf einer Längsseite eine Nut, um sie per Fremdfeder mit der einen liegen gebliebenen Nachbardiele zu verbinden, und auf der anderen Seite einen Falz. Damit ist schon mal die Hälfte der Lücke geschlossen:
3 - erste neue.jpg
Die zweite Diele bekam auf beiden Längsseiten jeweils unten einen Falz, so dass ich sie zwischen die neue Diele und die andere liegengebliebene Nachbardiele betten konnte. Ob ich das verleimt oder nur verschraubt habe, weiß ich gar nicht mehr. Ein Bild kommt weiter hinten. So war der Boden wieder dicht.

Die Macken haben wir ausgebessert, indem wir diese ausgefräst und Holzstücke eingeleimt haben. Das ist mal mehr, mal weniger gut geworden. Ich habe den Fehler gemacht, diese Ausbesserungen vor dem Schleifen vorzunehmen. So habe ich zwar die Maserung der eingesetzten Flicken halbwegs hinbekommen. Nach dem Schleifen zeigte sich aber, dass die Holzfarbe doch recht unterschiedlich war und die Flickstücke zum Teil deutlich ins Auge springen.
Hier sieht man eine missglückte Ausbesserung:
4 - schlecht.jpg
Die hier finde ich recht gelungen:
5 - besser.jpg
(Falls sich jemand fragt, wo hier ein eingesetztes Stück zu sehen ist: am Ende gibt es einen Hinweis)

Den Dreck aus den Fugen haben wir rausgekratzt und dann überlegt, was mit den Fugen geschehen soll: So lassen oder füllen? So lassen fanden wir, nachdem wir durch die Rauskratz-Aktion gesehen hatten, was sich da so alles sammelt, eklig, weshalb wir uns entschieden haben, sie zu füllen. Verwendet haben wir eine ziemlich dunkle Parkett-Fugenmasse:
6 - Fugen gefüllt.jpg
Hier nochmal ein Bild, auf dem in der Mitte die ausgebesserte Diele zu sehen ist; sie fügt sich ziemlich fugenlos in den alten Boden ein:
7 - Fugen gefüllt II.jpg
Nach dem Schleifen sah das dann so aus:
8 - nach dem Schleifen.jpg
Und nach dem Ölen so:
9 - nach dem Ölen.jpg
Die ganze Aktion ist jetzt zwei Jahre her. Vor einem Jahr, als ich den Boden zuletzt gesehen habe, sahen die Fugen noch sehr gut aus. Der Mieter berichtet, das sei heute immer noch so. Wie das in zehn Jahren sein wird, weiß ich allerdings nicht.

Und zum Schluss noch der angekündigte Hinweis:
10 - Einleger markiert.jpg
Viele Grüße
Heike

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Fr 2. Jan 2026, 23:02
von Klaus
Servus Heike,

da haben sich Deine Mieter ja eine "tolle" Arbeit aufgehalst - Hut ab, dass sie da mitgemacht haben :)

Sehr interessante Fotos, vor allem im vorher-nachher Vergleich. Wir haben fast überall Fliesen, deshalb kann ich hier nur theoretisch kommentieren. Sieht aber schon so aus, wie wenn Du/ihr gewusst habt, was ihr da macht :)

Gruss, Klaus

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 00:27
von Mario
(Falls sich jemand fragt, wo hier ein eingesetztes Stück zu sehen ist: am Ende gibt es einen Hinweis)
Ich habs gleich gesehen!!!

Hüstle... nein, war gelogen. :oops:

Sieht sehr gelungen aus Heike!

Grüße Mario

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 07:33
von Ghostwriter
Hallo Heike,
Vielen Dank für den Bericht der Aufarbeitung. Der Boden sieht aus wie neu, nein, eher noch besser würde ich sagen. Die Ausbesserungsstelle habe ich nicht gefunden und selbst mit deiner Markierung am Ende musste ich genau hinschauen. Schlechte Augen? Ich glaube nicht, eher sehr gut gemacht!

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 07:52
von oldtimer
Hallo Heike,

das Ergebnis überzeugt. Ich finde der alte Boden sieht toll aus.
Dass es eine riesige anstrengende Arbeit war kann ich gut nachvollziehen. Ich habe so etwas öfter mit der Rotex gemacht, zB in meinem kleinen Fachwerkhaus, da war der kleinste Raum etwa vier Quadratmeter, alles mit einer dicken roten Farbschicht überzogen, dem sogenannten Ochsenblut.
Eine solche Arbeit kann man ruhig seinem ärgsten Feind gönnen.


Die ausgebesserten Stellen sind gut geworden, ich habe auch schon festgestellt, dass man solche Stellen später nicht mehr wiederfindet.

Erstaunlich finde ich, dass sich bisher die Fugenmasse nicht heraus gearbeitet hat. Da ich aktuell in unserem Haus bei einem in 2008 verlegten Boden an einem Übergang zwischen zwei Räumen auf etwa drei Meter Länge das Problem einer offenen Fuge haben, werde ich dort mit einer solchen Masse ausbessern.

Gruß und alles Gute für 2026
Volker

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 16:49
von Sebastian
Hallo Heike,

Respekt, dass der Mieter und du das zusammen geleistet habt und das Endergebnis sieht spitze aus.

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 17:37
von Woswasi
Sieht super aus und war die Schufterei jedenfalls wert :)

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: So 4. Jan 2026, 09:19
von Heike
Vielen Dank für die netten Kommentare!
Klaus hat geschrieben: Fr 2. Jan 2026, 23:02da haben sich Deine Mieter ja eine "tolle" Arbeit aufgehalst - Hut ab, dass sie da mitgemacht haben :)
Ich werde Deine Anerkennung an sie weiterleiten.

viele Grüße
Heike

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: So 4. Jan 2026, 09:22
von Heike
oldtimer hat geschrieben: Sa 3. Jan 2026, 07:52 ... Erstaunlich finde ich, dass sich bisher die Fugenmasse nicht heraus gearbeitet hat. Da ich aktuell in unserem Haus bei einem in 2008 verlegten Boden an einem Übergang zwischen zwei Räumen auf etwa drei Meter Länge das Problem einer offenen Fuge haben, werde ich dort mit einer solchen Masse ausbessern. ...
Verwendet habe ich hier Ottoseal A 221 eiche antik C700.

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich schon einmal einen Fußboden mit einem Bandschleifer aufgehübscht (und mir danach geschworen, es nie wieder zu tun). Seinerzeit hatte ich die Fugen mit diesem Zeugs:
P1080568 (400x326).jpg
verfüllt, das ich mit Schleifstaub vermengt hatte. Zu meiner eigenen Überraschung hat das einige Jahre lang gehalten. Inzwischen bröselt es aus einigen Fugen heraus, aus anderen nicht:
P1080572 (400x300).jpg
Viele Grüße
Heike

Re: Überarbeitung eines alten Dielenbodens

Verfasst: So 4. Jan 2026, 09:50
von Claus P
Hallo Heike,

ich habe mit einem Genuß deinen Bericht verschlungen. Sehr schöne Arbeit und der Boden ist wirklich super schön geworden. Der fertig geschliffene Boden spricht für sich. Warum ein Dielenboden zeitlos schön ist, ist bei deinen Bildern sehr schön erkennbar.
Die Kiefer wird mit der Zeit (Du schreibst 120 Jahre altes Haus) sehr hart und "verglast". Die Härte ist durchaus mit Eiche vergleichbar. Insofern ist es nur richtig, die alten Dielen aufzubereiten. Daran wirst du und dein Mieter noch sehr sehr lange Freude daran haben. Um die Arbeit und den Aufwand beneide ich dich allerdings nicht. Ich weiß, was da an Zeit und Aufwand darin steckt, bis man zu so einem schönen Ergebnis kommt. Sehr schön und sehr sauber gearbeitet. Das gefällt mir und so soll das auch sein. Übrigens, die Fehlstellen, sieht man irgendwann nicht mehr. Man muß schon sehr genau schauen, damit man sie überhaupt findet. Und wenn doch mal die eine oder andere Stelle einer Ausbesserung erkennbar ist, dann ist das durchaus ansprechend. In meinen Augen soll der Boden auch nicht perfekt aussehen, sonst könnest du dir einfach einen Vinylboden drüberlegen. Das ist doch gerade das schöne an Holz, weil es ein Naturprodukt ist, mit Charakter.

Ich habe letztes Jahr bei meinem Cousin ebenfalls einen alten Dielenboden erneuert. Der Aufwand war aber deutlich höher, als bei dir. Ich stell mal den Link dazu ein, wenn ich ihn finde. Das Thema passt ganz gut dazu.

viewtopic.php?t=3190

Leider konnten wir die Dielen nicht mehr verwenden, da diese beim Ausbau größtenteils unbrauchbar geworden sind. Das Problem war bei mir der Untergrund. Alles weitere findest du in meinen Bereicht.

Vielen Dank fürs Zeigen. Ganz toll gemacht.