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Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 17:37
von Claus P
Hallo zusammen,

nachdem die Herstellung von meinen Lochbeiteln besser funktioniert hat als gedacht, habe ich mich entschlossen ein bisschen weiter zu experimentieren. Die Qualität von den Hobeleisen hat bei Stanley über die Jahre nachgelassen.
Ich habe sehr alte Hobel von Bailey und Stanley aus den 50er Jahren und neuere, die so Bj. 70 sein dürften und einen fabrikneuen 4er. Die Schärfe schwankt und ist nicht bei allen gleich. Unübertroffen ist ein Eisen von dem leider vor ein paar Jahren verstorbenen Hobelpapst Gerd Fritsche. Das Eisen ist einem 3er Hobel verbaut und übertrifft alle anderen.
Also habe ich mir zum Vorbild gemacht, diese Qualität zu erreichen.

Ausgangsprodukt sind HSS- Rohlinge in einer Härte von 60 bis 62 HRC. Wem das nichts sagt, das ist ungefähr so hart, wie die Ringe eines Wälzlagers und ziemlich hart. Man kann die Rohlinge selbst mit einer Hartmetallreißnadel kaum markieren.
Was mir an den Stanley- Hobeleisen nicht gefällt ist, dass das Schlüsselloch immer unten ist. Dadurch kann man die Eisen nicht so lange nutzen, als wenn das Loch oben ist. Außerdem ist es besser für die Stabilität, wenn unten weniger Material entfernt wird.
Normal sind Hobeleisen 1,8 bis max. 2,2 mm dick. Mein Fritsche- Eisen ist 3,2 mm dick. Vielleicht macht das den Unterschied. Die Rohlinge gibts in einer Dicke von 3mm, also hab ich mir verschiedene Breiten: 45, 50 und 60 besorgt.

Gefräst habe ich mit VHM- Fräsern. Dabei habe ich einmal 4 Eisen zusammen gespannt und mit Feilkloben an beiden Enden zusätzlich fixiert.
Ging ganz gut. Leider habe ich einmal nicht aufgepasst und bin im Eilgang bei abgesenkten Fräser im Langloch zurück gefahren. Scheinbar waren noch Späne in der Nut und ich habe einen VHM- Fräser geschrottet: Ja mei, kommt vor. Ein zweites mal ist mir das nicht passiert und der 2. Fräser hat alle Eisen problemlos überstanden. Leider hatte ich keinen 18er Fräser für das Schlüsselloch zu Hause und nochmals ausrichten wollte ich nicht, also habe ich nur ein Eisen fertig gemacht, das 0,5mm breiter war (45,5mm) und einzeln bearbeitet wurde.

Die Schneide wurde wie immer, auf der Flachschleifmaschine auf Winkel geschliffen und dann mit einem 4000er und zum Schluß mit einem 8000er Stein abgezogen. Der schwarze Grat, den man auf dem Bild sieht, sind Haarstoppel, die bei der Probe noch haften geblieben sind. Beim Schärfen merkt man einen großen Unterschied. Man muß länger über den Stein ziehen, bis man einen Abtrag erhält. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass die Eisen härter sind, als die originalen.

Nach dem Einbau habe ich das Hobeleisen in einem Handyman Hobel ausprobiert. Natürlich mußte ich den Frosch aufgrund der größeren Dicke nachjustieren. Das Eisen funktioniert genau wie es soll. Es ist dem Fritsche ebenbürtig und genau das war das Ziel ich wollte auf jeden Fall die Stanley/Bailey übertreffen und das ist mir gelungen. Die anderen Eisen bohre ich nächste Woche und dann probiere ich sie ebenfalls aus. Fortsetzung folgt.

Auf dem letzten Bild sieht man die beiden 3er- Hobel nebeneinander. Links der Hobel mit dem langen, schlanken Griff ist der Hobel mit meinem Eisen, rechts der Bailey ist mit dem Frtische. Man sieht auch in der Hobelbank das Probestück. Dieses war sägerauh und nach dem hobeln glatt wie ein Babypopo.
Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die anderen Eisen mache ich dann vermutlich nächste Woche am Sonntag.

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 18:08
von Sebastian
Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere hier jetzt gerne bei dir eine Bestellung aufgeben möchte. :lol:

Tolle Arbeit, manchmal denke ich mir… hättest du vielleicht auch lieber mal was Handwerkliches gemacht. Ist halt leider keine Chemie :ugeek:

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 18:39
von pumuckel
Hallo Claus
Darauf hatte ich ja schon gewartet. Hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Hut ab, wenn das Esche ist, die du da gehobelt hast, genau so sollte ein Eschespan aaussehen. Also alles richtig gemacht.
Gruß Michael

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 19:01
von Claus P
Danke euch beiden.

@Michael

Ja, das ist Esche. Ich habe noch einige Videos gemacht. Leider kann ich diese hier nicht einstellen. Die Späne auf den Bildern sind noch vor der Feinjustage. Ich habe den Frosch noch ein bisschen zurück genommen und den Spanbrecher nochmals nachjustiert.
Außerdem war das Hobelmaul von dem Handyman nicht sonderlich gut ausgeformt. Das Maul war im Guß schief gefertigt. Als ich den Hobel bekommen habe, konnte man damit nicht hobeln - unmöglich. Das Eisen war stumpf, das Maul schief und die Sohle hohl.
Das Maul habe ich gerade ausgefeilt und ein bisschen aufgeweitet, sodaß sich zwischen Schneide und Vorderkante ungefähr 1mm Luft ergibt. Jetzt passt das.

Mit dem neuen Eisen ist es eine wahre Freude. Der Kraftaufwand ist relativ gering und die Spanabnahme für Hartholz trotzdem gut. Man kann tatsächlich Späne abnehmen, durch die man hindurchschauen kann. Ich habe ihn jetzt so eingestellt, dass der Span etwas dicker ist, als auf den Bildern.

Ich schau mal, ob ich von den Videos noch ein paar Bilder rauskopieren kann.

Hier ein paar Bilder. Leider sind sie von sehr schlechter Qualität, da sie Screenshots von den Videos sind. Man kann aber die Späne sehr gut erkennen, die auf der Hobelbank liegen. Auch die Einstellung vom Eisen und die Maulöffnung kann man gut erkennen.

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 21:55
von pumuckel
Hallo Claus
Nochmal Hut ab. Das ganze auch noch bei einem Handyman. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was Stanley im Hobelbau angestellt hat. Andererseits, wenn es da schief gegangen wäre, wäre es nicht schlimm gewesen. Bin da ja doch immer beeindruckt, welche Möglichkeiten und Fähigkeiten du in dem Bereich hast. Ich bin froh, wenn ich halbwegs mit Feile und Metallsäge umgehen kann.
Weißt du eigentlich welche Stähle Stanley verwendet hat? Habe mich zwar lange mit diesen Hobeln beschäftigt, da haben mich aber diese Details nie so interessiert.
Siehst du, außer der Härte von HSS, noch andere Vorteile gegenüber den heute meistens verwendeten Stahlsorten A2 oder O1? HSS wird ja bei Premiumhobeln so gut wie nie verwendet. Ich kenne HSS hauptsächlich bei Drechselwerkzeug und fand ihn immer etwas schwieriger zu Schärfen Und vielleicht etwas weniger scharf als A2 oder insbesondere O1. Kann aber auch Einbildung sein.

Gruß Michael

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 22:55
von Claus P
Hallo Michael,

vielen Dank. Dass man HSS schwerer schärfen kann, ist durchaus normal. HSS sind warmfeste Kohlenstoffstähle, die eine sehr hohe Härte aufweisen. Deswegen dauert das schärfen länger und ist schwieriger. Allerdings bleibt die Schneide lange scharf, auch bei höheren Temperaturen. Die Temperatur spielt allerdings beim Handhobeln keine Rolle. Aber die Eigenschaft gibts einfach oben drein.
Der Grund warum ich HSS- Stahl gewählt habe ist relativ einfach. Er wird bei ebay angeboten und als Otto- Normalverbraucher kommt man an solche Stähle zu vernünftigen Preisen eher schwer.

A2 kenne ich nur als Edelstahl. A2 ist ein günstiger Edelstahl mit mäßiger bis guter Beständigkeit gegen Rost aber ungeeignet als Werkzeugstahl. A2 ist verhältnismäßig weich.
Richtig gute Messer sind aus Kohlenstoffstahl, da man sie viel höher und besser härten kann, als Messer aus Edelstahl. Messer aus Edelstahl sind immer ein Kompromiss aus Härte und Rostbestündigkeit und die Standfestigkeit ist bei weitem nicht so gut, wie bei Kohlenstoff- Stählen. Aber der Verbraucher möchte eben nichtrostende Messer, die man auch in die Spühlmaschine geben kann. Aber gute Messer sind Kohlenstoffstahl und erfordern Pflege und die gibt man auch nicht in die Spülmaschine. Hobelmesser ohnehin nicht.
O1 ist ein Handelsname für Kaltarbeitstähle (Werkstoffnummer 1.2510, 100MnCrW4). Der ist gut geeignet um Messer oder Schneidwerkzeuge herzustellen, da er einen hohen Kohlenstoffgehalt hat und bis 62 HRC härtbar ist.

HSS- Stähle höher legiert. Der Bestandteil von Wolfram und Molybdän bildet beim Härten noch mehr Carbide aus und dadurch wird er härter als ein Kaltarbeitstahl. Eine Härte von 63 bis 65 HRC ist durchaus erreichbar, allerdings wird dann der Stahl dann sehr spröde, deswegen geht man normalerweise nicht höher als 62 HRC.
HSS ist relativ teuer, das wird auch der Grund sein, warum man den Stahl nicht in (Hand)Hobeln verwendet. Wenn du rechnest, dass ein Rohling schon rund 15 Euro kostet, dann kannst du dir vorstellen, was an so einem Hobeleisen verdient ist. Da ist aber noch keine Bearbeitung enthalten.

Welche Stähle Stanley verwendet, habe ich noch nicht herausgefunden. Es dürfte aber vermutlich ein Federstahl oder ein günstiger Kohlenstoffstahl sein. Ich schätze die Härte auf 58 HRC vielleicht ein bisschen mehr, aber nicht viel. Ich werde nächste Woche mal das alte Stanley Hobeleisen mit in die Arbeit nehmen. Dort haben wir die Möglichkeit den Werkstoff und die Härte zu ermitteln.

Dass der Handyman so ziemlich das schlimmste ist, was Stanley produziert hat, kann ich bestätigen. Die Qualität ist richtig übel.
Die Klappe war viel zu breit. Man hat sie nicht mal bis zum Anschlag vom Schlüsselloch schieben können, da sie mit den Ecken am Guß kollidierte. Ich habe einfach auf beiden Seiten 2mm abgefräst, damit man die Klappe gerade ausrichten und bis zum Anschlag schieben kann. Die Vertiefung im Frosch, in dem die Schraube vom Spanbrecher verschwindet, war zu klein. Man konnte das Hobeleisen überhaupt nicht so weit nachstellen, dass es einen Span abgenommen hat. Der Frosch saß schief und die Hobelsohle war hohl. Die Fehler habe ich alle korrigiert. Mit entsprechender Ausrüstung ist das kein Problem.
Aber der Hobel war günstig. Ich hab gerade mal 25 Euro incl. dafür auf ebay bezahlt. Auf den Bilder konnte man leider nicht erkennen, dass es ein Handyman ist, sonst hätte ich ihn nicht genommen.

Nachtrag: scheinbar werden Kaltarbeitsstähle auch als A2- Stähle bezeichnet. Diese Stähle haben mit nichtrostenden Edelstählen nichts zu tun - mein Fehler. A2 steht für Air hardend (hab ich auch erst nachlesen müssen). Die Schärfe liegt zwischen normalen O1 und HSS- Stählen. Diese A2 Kaltarbeitsstähle sind sehr gut für Messer geeignet.

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: So 22. Mär 2026, 23:15
von Mario
Hallo Claus
Sehr schönes Projekt!
Das der Gerd Fritsche gestorben ist, hab ich gar nicht mitbekommen ,,,schade drum. Ich hatte vor ein paar Jahren auch über einen Kauf seiner Hobeleisen nachgedacht, bin aber wieder von abgekommen.

Grüße Mario

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: Mo 23. Mär 2026, 06:42
von pumuckel
Hallo Claus
Dann sag ich mal danke für deine Erklärungen. Sehr anschaulich. Bin schon gespannt, was da noch kommt.
Gruß Michael

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: Mo 23. Mär 2026, 07:21
von Woswasi
Hallo Claus,

echt faszinierend was du alles selber herstellst :)
würd mich nicht wundern, wenn du bald Erz ausgräbst und dir selber Stahl kochst :mrgreen:

Re: Hobeleisen selbst gemacht

Verfasst: Mo 23. Mär 2026, 10:32
von Klaus
Servus Claus,

sehr interessante Infos über Stahl, auch für den Holzhandwerker sinnvoll. Ist schon eine ganz neue Welt, in die man da eintauchen kann. Vielen Dank für die kleinen Einblicke :)

Neulich hab ich meine ersten zwei Stechbeitel mit "weissem Papierstahl" gekauft. So eine Schärfe hab ich bisher nicht mit anderen Stechbeiteln hingekommen. Allerdings geht das auch auf Kosten der Standzeit und Robustheit.

Für die Küche hab ich von meiner Familie zum 60sten ein japanisches Usuba bekommen, das hat eine Mittellage aus hochlegiertem Stahl mit 64 HRC. Sehr scharf und bleibt es auch lange - wenn man passende Scheidunterlagen nimmt.

Bei meinen Veritas Hobeln hab ich vor allem PM-V11 im Einsatz und bin damit auch recht zufrieden. Braucht aber die richtigen Wassersteine zum schärfen, sonst geht gar nix vorwärts.
Mario hat geschrieben: So 22. Mär 2026, 23:15 Das der Gerd Fritsche gestorben ist, hab ich gar nicht mitbekommen, schade drum. Ich hatte vor ein paar Jahren auch über einen Kauf seiner Hobeleisen nachgedacht, bin aber wieder von abgekommen.
Oh, das wusste ich auch noch nicht. Schade, hätte den Gerd gerne nochmal besucht. Wieder ein typisches Beispiel, warum man solche Sachen nicht aufschieben sollte.

Gruss, Klaus